Lesen am Bildschirm strengt mich an. Am liebsten halte ich ein richtiges Buch in der Hand. Den Text kann man nicht immer fühlen, doch immer das Papier auf dem er steht. Zeitschriften lese ich lieber als eine Zeitung, weil man von ihr schwarze Finger bekommt. Druckerschwärze. Manchmal färben auch Zeitschriftenseiten ab, aber nur, wenn man beim Lesen ins Schwitzen kommt. Ich halte mich gerne in Bibliotheken auf und bevorzuge Cafés, in denen Zeitschriften zum Lesen ausliegen. Doch wer liest heute noch Buchstaben von Papier ab?
Es gibt Cafés, da sind alle Tische mit Laptops besetzt. Vor ihnen sitzen Laptopbenutzer. Manchmal bilde ich mir ein, sie schrieben alle an ihrem eigenen Blog. Durchreisende, die den Lieben daheim mitteilen, wie es ihnen so ergeht. Manch einer tippt fast gar nicht und liest vielleicht eine Online-Zeitung. Die Online-Welt. Die wundervolle Welt des Web. Sogar ich fange an, mich darin häuslich einzurichten. Man kann nichts anfassen, aber man kann allem so schön nah sein. Deutschland ist gleich um die Ecke und Frankreich auch, und überhaupt ist alles nur so weit weg, wie man braucht, um es zu finden.
Eine Zeit lang habe ich versucht, in Kalifornien an die vertrauten Druckversionen ausländischer Zeitungen und Zeitschriften zu gelangen. Jetzt gehe ich nur noch ins Netz und alles ist da. Kostet weniger, ist aktueller, und um einiges vielfältiger als das, was eine kalifornische Buchhandlung zu bieten hätte. Kalifornien ist einfach so weit weg von Europa und dem Internet macht das nicht viel aus.
Oft finde ich noch ziemlich überwältigend, was mir da alles vor den Augen herumzappelt. Ich kann es nicht so richtig zu fassen kriegen. Mit meinen Händen glattstreichen, hin- und herblättern, zusammenfalten, in die Tasche stecken oder auf dem Tisch stapeln. Ausschneiden. Unterstreichen. Einem Politikergesicht Dracula-Zähne in den Mund malen, der angehenden Prinzessin einen hässlichen Damenbart. An der Wand eine Mücke erschlagen. Geschenke einwickeln oder einen Fisch. Mit dem Fuß unters Bett schieben. Meine Augen müssen die ganze Arbeit leisten. Und meine Finger tun nichts als klicken und scrollen und wieder klicken,und eigentlich ist es nur eine ganz kleine Auswahl meiner Finger, die mit einer Online-Zeitschrift oder -Zeitung beschäftigt wird. Linkes Auge, rechtes Auge, rechter Zeigefinger, linker Daumen. Der Rest meiner Hände ist unbeschäftigt. Lässt sich denn da gar nichts machen? Was für Maschinen könnten wir bauen, um uns die digitale Welt besser einzuverleiben?
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