Unerschlossene Forschungsgebiete: Menschen auf Arbeit

Als mein Arbeitskollege sich auf einen wichtigen Vortrag vorbereitete, machte ihm ein anderer Kollege das leicht scherzhafte Kompliment, seine heutige Kleidung sei dem Anlass sehr angemessen, so etwas solle er am besten auch am Tag des Vortrages anziehen. Worauf jener erwiderte, dass er seiner Frau bereits deutlich zu verstehen gegeben habe, welch wichtige Sache in dieser Woche anstehe, und er zuversichtlich sei, dass sie ihm das Passende zum Anziehen herauslegen werde. So eine Frau müsste man haben – wie entspannt könnte man sich dann seiner Arbeit widmen. Keinen Gedanken daran verschwenden, ob die nötigen Kleidungsstücke auf einen warten, keine Zeit daran verschwenden, sie zur rechten Zeit zu waschen, trocknen und zusammenzulegen, keine Sorgen damit haben, gut angezogen zu sein. Die Frau wird schon genau wissen, wie sie ihren Ehemann der Welt zeigen möchte, schließlich geht es im gleichen Moment auch um ihren guten Ruf, ihren guten Geschmack, vielleicht sogar um ihren gesellschaftlichen Status, zumindest den an der Kleidung ablesbaren.

Manchmal gehen wir auf Arbeit mittags mit ein paar Kollegen auswärts essen. Ein Kollege würde immer so gerne mitkommen, hat jedoch schon so oft absagen müssen, weil er, wie er sagt, 24 Stunden vorher Bescheid bekommen müsse. Seine Frau gibt ihm jeden Tag selbstgekochte Mahlzeiten mit und die kann er unmöglich nicht essen. Wir sind ihm zu spontan mit unseren Ausgehideen. Nun, wir haben niemanden zuhause, der uns täglich beköstigt, wir haben die große Freiheit, selbst für uns sorgen und deshalb eben auch ab und an spontan im Restaurant essen gehen zu dürfen. Wenn wir nach Hause kommen, wartet eine leere Küche auf uns. Wenn der Kollege nach Hause kommt, ist er stolz, die Küche nicht zu betreten. Sein Leben lang nicht. Wenn wir zu Hause sind, dürfen wir jeden Tag selbst entscheiden, was wir anziehen und was nicht. Wir dürfen selbst entscheiden, was wir kochen, wann wir kochen und wann nicht. Und darüber hinaus dürfen wir sogar auswärts arbeiten gehen.

Es ist ein Kreuz mit dieser Rollenteilung. Frauen schätzen sich glücklich, das Leben außerhalb des Hauses dazugewonnen zu haben. Guckt man genauer hin, ist es in der Tat etwas Zusätzliches. Innerhalb des Hauses hat sich oft nicht so sehr viel verändert. Selbst geteilte Hausarbeit ist nur geteilt. Ganz schief wird das, wenn diese Frauen mit Männern zusammenarbeiten, die völlig zufrieden in recht traditionellen Verhältnissen leben. Die nach der Arbeit nicht mehr Einkaufen müssen und kochen und Wäsche waschen und Hausputzen. Die auf Arbeit mehr arbeiten können, weil es für sie weniger Arbeit neben der Arbeit gibt. Es fühlt sich irgendwie ungerecht an, aber was soll man als Frau dazu sagen? Hat man nicht für sich selbst alles an Freiheit und Fortschritt erreicht?!

This entry was published on June 30, 2010 at 10:48 pm. It’s filed under Unerschlossene Forschungsgebiete and tagged , , . Bookmark the permalink. Follow any comments here with the RSS feed for this post.

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