Was ich esse: Schokoladentrüffel aus Edelkakaos mit Herkunftsbezeichnung

100% Italian Madagascar

Kann eine, die fast schon berühmt ist für ihre Schokoladenunlust, über Schokolade schreiben?! Eine, die sagt, ich esse Schokolade nur, wenn sie ganz dunkel ist, so dunkel, dass man sie in Deutschland unter dem Begriff „Herrenschokolade“ verkauft? Eine, die sogar eine Tafel dieser dunklen Schokolade unbeeindruckt ein Jahr lang im Kühlschrank vergessen kann? Eine Kritik schreiben, in der die Schokolade gut weg kommt?!

Geschmäcker ändern sich. Auch Schokolade kann sich ändern. Wenn einer daher kommt und für seine hausgemachten Schokoladentrüffel nichts als Kuvertüre und ein bisschen Bio-Milch verwendet. So einer wie z.B. der Chocolatier in Monique’s Chocolates in der Innenstadt von Palo Alto. Bei seinen Pralinen kann man den Charakter jeder Kakaosorte herausschmecken, denn er mischt nicht und panscht nicht. Brasilien bleibt Brasilien und Madagaskar bleibt Madagaskar. Die brasilianische Schokolade schmeckt rauchig und erinnert an Whisky. Die madegassische Schokolade schmeckt … – nun, genau wie beim Wein und seit einiger Zeit auch beim Olivenöl dürfen wir uns jetzt endlich ein Geschmacksvokabular für Schokoladen anlegen. Was für eine Bereicherung!

Moniques Schokoladentrüffel sind dominosteingroß: Trüffelmasse, umhüllt von einer dünnen 72%igen Schokoladenschicht als Verpackung. Äußerlich unterscheiden sie sich nur durch die Dekoration: Blumenvariationen, abstrakte Muster oder ein „Happy Birthday“, auf Bestellung sogar Firmenlogos oder Namen von Brautpaaren. Der Chocolatier bezieht seine Schokoladen-Grundmasse überwiegend aus Europa, von Kuvertürelieferanten aus der Schweiz, Frankreich und Italien. Insiderwissen ist von Nöten, Anbieter ausgewählter Edelkakaos mit Herkunftsbezeichnung liefern nicht an jeden. Im Sommer bereitet man Eiscreme aus den Trüffeln, an kalten Tage wird sie als heiße Trinkschokolade serviert. Für Genießer, die nicht alles essen dürfen, stehen Trüffelversionen mit Zucker- oder Kuhmilchersatz bereit. So manche Kenner kommen hier abends nach einem Restaurantbesuch vorbei, sparen sich das Dessert für Monique’s auf.

Wer an Schokoladentrüffeln keinen Gefallen findet, könnte sich vielleicht für die hausgemachten S’mores erwärmen. Vollkornbutterkeks mit Marshmallow und Schokolade, üblicherweise beim Camping über dem Lagerfeuer geröstet. Moniques Chocolatier benutzt dafür seine selbstgemachten Zutaten und den Bunsenbrenner. Das Resultat ist geschmacklich der Campingversion weit überlegen und wer braucht schon romantische Lagerfeueratmosphäre, wenn es so gut schmeckt? Oder vielleicht Karamell mit Meersalz? Irgendwo in all diesen Zutaten ist bestimmt ein Hauch von Urlaub verborgen.

Und was kann eine empfehlen, die ansonsten allerhöchstens ein Auge auf Herrenschokolade wirft? Eigentlich jeden von Moniques Trüffeln, weil sie so einzigartig sind. Aber ganz besonders den ganz ganz dunklen, 100% Italian Madagascar, die Erfüllung kaum gekannter Schokoladenträume. Bei diesem Trüffel bekommt die 72%ige Schokoladenverpackungsschicht eine ungeahnte Süße.

Schokoladentrüffel aus 100% Italian Madagascar Kuvertüre, $2 pro Stück. Monique’s Chocolates, 539 Bryant St Palo Alto, CA 94301, Tel: (650) 323-9669. Sonntags bis donnerstags von circa 10 Uhr bis mindestens 18 Uhr, freitags und samstags bis circa 22 Uhr. Sitzgelegenheiten drinnen und draußen, WLAN-Internetzugang.

[ Monique’s im Palo Alto Weekly ]

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This entry was published on August 12, 2010 at 9:31 am. It’s filed under Was ich esse and tagged , , . Bookmark the permalink. Follow any comments here with the RSS feed for this post.

4 thoughts on “Was ich esse: Schokoladentrüffel aus Edelkakaos mit Herkunftsbezeichnung

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