[ Januar 2011 – Alle Jahre wieder, z.B. Winterpause ]
Erstveröffentlichung online in CA Journal Nr. 1 vom 12. Juli 2005
Wenn man in Kalifornien lange genug auf den Pazifischen Ozean starrt, weiss man irgendwann genau, wie die Geschichte mit diesem Jesus angefangen hat.
Am besten klappt es am fruehen Abend, denn auch in Kalifornien geht die Sonne im Westen unter und das heisst, sie faellt dabei ins Meer. Man trage also eine Sonnenbrille und schaue Richtung Horizont dem Lauf der Sonne nach und ruhe dann und wann die lichtmueden Augen in den herrlichen kalifornischen Wellen aus, deren Gischtweiss neben der Sonnenhelligkeit als aeusserst dunkel erscheint. Man geniesse das leuchtende Tuerkis des Wellentunnels, lausche dem Donnern der sich ueberschlagenden Welle und dem fast lautlosen Nahen der Naechsten, warte gebannt auf den Moment, wo sich aus ihrer Rundung langsam der spitze Wellenkamm erhebt, das Dunkelblau weisse Kroenchen bekommt und anfaengt, Geraeusche zu machen; erst ein feines Zischeln und dann – heftig-kurzes Einatmen, Augen zu und wieder auf, stutzende Kopfbewegung – Hab ich da nich eben was gesehn? Zwischen den Wellen? Ein Mensch? MENSCH da laeuft einer auf dem Wasser! Na SOwas. wie ist denn sowas MOEGlich. Kann denn ein Mensch auf dem Wasser laufen? Das kann doch kein normaler MENSCH sein, der da auf dem Wasser laeuft!
Wer jetzt weg rennt und allen Leuten alle moeglichen Geschichten erzaehlt, der hat natuerlich toll was zu erzaehlen.
Ich aber sage Euch: Lasst Euch nicht blenden, guckt noch einmal genau hin oder kommt wieder, wenn Euch die Sonne im Ruecken steht. Der Mensch da im Pazifischen Ozean schummelt; der kann gar nicht auf dem Wasser laufen, der hat ein Brett unter den Fuessen. Und das Brett kann auf dem Wasser – hmmm- laufen tun Bretter ja nicht; vielleicht tun sie schwimmen oder gleiten oder. Aber das ist Physik.
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