Unerschlossene Forschungsgebiete: Spazierengehen im Park Nr. 3

[ April/Mai 2011: Spazierengehen im Park ]

Wandern in der freien Natur, Spazierengehen im Park, Flanieren in der Stadt. Auch wenn sich die menschlichen Körperbewegungen in allen drei Fällen vom Herumlaufen ableiten, verwenden wir der Unterschiede wegen drei verschiedene Bezeichnungen und fragen uns: Wo findet das Herumlaufen statt? Und wann? Was wird den Herumlaufenden geboten?
Wandern und Flanieren überlassen wir heute den anderen und widmen uns dem Spazierengehen im Park. Herumlaufen an Orten, die irgendwo dazwischen liegen, weder Natur noch Stadt sind. Öffentliche Grünanlagen. Schreckliches Bürokratendeutsch, doch auch ganz gut auf den Punkt gebracht. Zur Standardausstattung eines Parks gehören üblicherweise Bänke und Abfalleimer, oft Toiletten. Viele Parks haben sogar Öffnungszeiten. Kultivierte Natur oder re-naturierte Kultur. Faszinierend an Parks ist, dass sie in beide Richtungen entstehen können. Schauen wir uns das an Beispielen einmal genauer an.

Park Nr. 3: Byxbee Park, Palo Alto, CA
Und dann gibt es noch Parks, die auf den ersten Blick wie ein unberührtes Stück Natur aussehen. Parks, in denen man fast zu wandern anfängt. Irgendwann innehält und sich sagt, Spazierengehen wäre wohl doch angemessener. Sich am Ende dabei ertappt, das Ganze wie eine Kunstausstellung anzuschauen, gar nicht mehr herumläuft, nur noch dasteht und guckt. Zum Beispiel im Byxbee Park in Palo Alto. Irgendetwas ist hier anders. Ursprünglich, d.h. in ihrer De-naturierung ersten Grades war die Gegend eine Mülldeponie. Dann wurde sie re-naturiert, genauso wie der viel größere Shoreline Park nebenan in Mountain View. Aber anders als beim Nachbarn gibt es in Palo Alto mehr als nur Park zu sehen.

Kunst. Land Art. Da sind z.B. Baumstämme auf wohldurchdachte Weise aufgestellt. Je nachdem, von wo aus man auf sie schaut, ergeben sich andere Anordnungen. Sie stehen, als hätten sie möglicherweise früher einmal einen Zweck erfüllt. Einige Wege sind mit Austernmuschelschalen ausgelegt. An mehreren Stellen läuft man an Hügeln vorbei – Gräber aus der Bronzezeit? Anderswo liegen Betonteile herum, die aussehen wie ehemalige Straßenbegrenzungen. Ganz am Rande steht eine Art Riesenwäscheleine. An ihr hängen Metallketten und schwingen sacht im Wind.




Der Park erzählt Geschichten, bekommt eine historische Tiefe, die der Besucher mit Leben ausfüllen kann, aber nicht muss. Keines dieser Land-Art-Elemente drängt sich in den Vordergrund, wer will kann völlig unberührt an ihnen vorbeiradeln, ganz so, wie es vermutlich die meisten der Parkbesucher machen, die lediglich den Fahrradweg entlang der Bucht erreichen wollen und den Blick auf den östlichen Teil der Küste genießen. Und die Stadt? – Weit weg.

[ Byxbee Park ]

This entry was published on May 31, 2011 at 8:58 pm. It’s filed under Unerschlossene Forschungsgebiete, Was ich sehe and tagged , , , , , . Bookmark the permalink. Follow any comments here with the RSS feed for this post.

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