[ Juni/Juli/August/September/Oktober 2011: Keine Sommerpause ]
Alltagserlebnisse, die man so schnell wie möglich wieder vergessen möchte. Wenn man nur könnte.
Fast getroffen: Frauenfußballweltmeisterschaftseröffnungsspielfernsehübertragungsorte
Stell Dir vor, es ist Fußballweltmeisterschaft und keiner kann sie sehen. 22 Frauen rennen über den Platz, schießen insgesamt 3 Tore und keiner kann es sehen. War es vor einem Jahr noch schwierig, kalifornische Übertragungsorte für die Männerfußballweltmeisterschaft zu finden, ist es für die diesjährige Fußballweltmeisterschaft der Frauen wohl aussichtslos. So viele Sportlerkneipen mit ihren riesigen Flachbildschirmen, so viele ungenutzte Chancen, mit Frühstücksfußball ein bisschen Geld zu machen. Zum Frauenfußballweltmeisterschaftseröffnungsspiel am Sonntag, den 26. Juni 2011 um 9 Uhr pazifischer Sommerzeit mit Sekt auf den ersten Sieg anzustoßen, wäre so schön gewesen.
Das Goethe-Institut lud 2 Tage vor dem Eröffnungsspiel zum Feiern nach San Francisco ein. 2 Tage vorher? Zu früh ist auch nicht pünktlich.

Fast getroffen: Schuhsohlen
Stell Dir vor, Dein Schuster weiß nicht, was er tut, und Du zahlst trotzdem den vollen Preis. Stell Dir vor, Dein Schuster sieht aus wie ein Schuster, lächelt wie ein Schuster, spricht wie ein Schuster, ist aber keiner. So wie neulich in Kalifornien, als es um nicht viel mehr ging als ein Paar neuer Absätze für schlichte schwarze Schuhe. Der ultimative Schustertest. Als die Schuhe einige Tage später im Laden zum Abholen bereitstehen, sehen sie aus wie neu, denn der „Schuster“ hat das Leder frisch poliert. Doch zu Hause zeigt sich, wie sehr der Schein trügen kann. Die neuen Absätze sind nichts als zwei hauchdünne Gummiläppchen, die an die hohlen Plastikabsätze der Schuhe angenagelt worden sind. Ein Nagel steht etwas heraus und zerkratzt die Holzdielen. Die Gummiläppchen sehen so aus, als hielten sie ungefähr 1,5 Tage durch, was der Realitätstest auch problemlos bestätigt.
Würde sich Beschweren lohnen?! Der Möchte-Gern-Schuster hat nicht etwa schlampige Arbeit geleistet, er hat gezeigt, dass er absolut keinen blassen Schimmer vom Schustern hat. Und das vielleicht hinter auf Hochglanz polierten Schuhen zu verstecken versucht. Meine schlimmste Befürchtung: er weiß nicht einmal, dass er keine Ahnung hat. Er hat noch nicht einmal fast getroffen.

Fast getroffen: Artischockenherzen mit Leipziger Allerlei
Stell Dir vor, der Koch hält sich nicht an die Speisekarte. Stell Dir vor, Du hast mit Favabohnen gefüllte Artischockenherzen bestellt und was serviert wird, erinnert ganz stark an Artischockenherzen mit Leipziger Allerlei aus der Tiefkühltruhe. Bohnen, Erbsen, sind doch alles Hülsenfrüchte, mag sich der Koch gedacht haben. Gerade die Artischocke hätte etwas Besseres verdient. Wieviel Toleranz muss man als Gast mitbringen?
Es gibt Restaurants, in denen der Koch die Speisekarte jeden Abend neu schreibt und die Zutaten bis ins Kleinste auflistet. Da steht dann Favabohnen und erst auf dem Teller stellt sich heraus, ob es sich um 0,5 oder 25 Bohnen handelt. Aber es sind immer Favabohnen, keine dicken weißen Bohnen oder dünne schwarze und schon gar keine Erbsen. Das wäre Frevel. An der Artischocke, an der Aufrichtigkeit des Kochs. Es gibt Restaurants, die solcherlei Details auf der Speisekarte weglassen und sich so größtmöglichen Interpretationsspielraum in der täglichen Ausführung der immerselben Gerichte ermöglichen. Und dann gibt es solche, die so tun als ob. Die Favabohne sagen, aber manchmal Erbsen meinen. Sie tun so, als könnten sie mit Favabohnen aufwarten, scheitern jedoch an ihren eigenen Ansprüchen. Sie nehmen es mit ihrer Aufrichtigkeit nicht so genau und muten den Gästen ihren Interpretationsspielraum zu. Fast getroffen ist immer noch daneben.
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