[ Juli 2012 – Independence Day ]
Appetizer, /ˈapiˌtīzər/, noun. A food or drink served usually before a meal to stimulate the appetite.[*]
Am Unabhängigkeitstag selbst sind wir dann vorsichtshalber (fast) nur mit dem Fahrrad unterwegs. Im Mitchell-Park von Palo Alto kommen wir zunächst am Stand einer politischen Partei vorbei und werden gleich daran erinnert, dass dieses Jahr eine wichtige Wahl ansteht. Die Aufforderung, sich als Wähler registrieren zu lassen, hängt in Englisch und Spanisch aus. Wer nicht registriert ist, kann nicht wählen gehen; wer sich registrieren lässt, gibt dabei gleichzeitig seine Parteizugehörigkeit an. Man kann sich aber auch als „Independent“ bezeichnen oder, wie es so schön auf Bürokratenkalifornisch heißt, “Decline to State (DTS)”.
Weite Flächen des Parks sind von Menschen auf Picknickdecken eingenommen worden, am Rande stehen Imbissbuden. Überall sehen wir patriotische Dekoration, hier einen Sonnenschirm mit US-Flagge, dort einen Hut oder Kopf- oder Halstuch, manche tragen T-Shirts in den amerikanischen Farben oder Sternchenketten. Die Schlangen vor vielen Imbissbuden sind bestimmt 50 Menschen lang. Auf so viel Schlangestehen hatten wir uns überhaupt nicht vorbereitet. Alle wollen sie die Ergebnisse des Chili-Wettkochens begutachten. Wir stellen uns an einer kurzen Schlange an und probieren statt Chili eine Spezialität, auf dessen Erfindung in den 1940ern (nicht nur) Texas Anspruch erhebt: Corndog. Maishund? Ein Hot Dog am Stiel, in eine dicke Schicht Maismehlteig gehüllt, frittiert und in Senf getunkt. Auf Sommerfesten wie diesem trinkt man dazu hausgemachte Zitronenbrause.
Chili (con carne) ist ein Eintopf mit Geschichte. Seit über 30 Jahren gilt er als das offizielle Gericht von Texas und mindestens genauso lange gibt es Chili-Kochwettbewerbe wie den in Palo Alto, wo die Feuerwehr eins der beliebtesten Rezepte kennt. Schriftlich erwähnt worden sein soll das Rezept erstmalig in einem Reisebericht zur Eroberung Mexikos durch die Spanier. Am 2. September des Jahres 1519 wähnten sich die mit den Azteken verbündeten Cholulans noch als unbesiegbar und bereiteten in großen Kesseln aus Tomaten, Chilipfeffer und Salz ihr Festmahl vor. Und wenn die Spanier wie geplant verloren hätten, wären sie als Fleischeinlage mitgekocht worden.