Was sich neben, hinter und über der Skulptur befindet, gehört mit dazu. Egal, wo man das Kunstwerk aufbaut, wird es in eine Beziehung mit dem Ort treten. Die Nicht-Skulptur ist Teil der Skulptur. Charles Fisher, der Besitzer von Charlie Brown, hat sie drinnen aufgestellt, wollte sie damit vielleicht schützen; doch mir kommt es so vor, als nehme er ihr damit den Raum zum Atmen. Wie überdimensioniert und eingepfercht sie in der mehrstöckigen Eingangshalle des Firmengebäudes wirkt. Und wie zart und leicht wirken die anderen Skulpturen trotz ihrer gigantischen Ausmaße draußen. Im Innenraum bleibt ihr Originalzustand möglicherweise länger erhalten, doch ohne Sonnenlicht scheint sie nicht so rostgolden und hebt sich nie von einem blauen Himmel ab, sondern immer bloß von einer grauweißen Zimmerdecke. Es fliegen keine Vögel vorbei und keine Flugzeuge, das Geräusch meiner Schritte hallt anders.
Auch die Stahlplatten selbst treten zueinander in Beziehung und bei jeder Skulptur ein bisschen anders. Sie lehnen sich aneinander, sie sind miteinander verbunden, oder sie stehen weit voneinander entfernt, vielleicht zu weit, um ein Zusammengehörigkeitsgefühl auszumachen? Unter den Stoffskulpturen von Alexander McQueen entwickelt sich gleichermaßen ein Zusammenhalt. Oberteil und Unterteil werden kombiniert und Kleidungsstücke in mehreren Schichten übereinander getragen. Durch wiederholtes Verwenden bestimmter Stoffe und Schnitte zeigt sich nach und nach ein Thema auf und ergeben sich Verweise auf die Welt da draußen und auf vergangene Zeiten.
Gehört Mode überhaupt ins Museum, und wird sie durch ihre bloße Anwesenheit in den heiligen Hallen der Hochkultur überhöht, vielleicht selbst zur Kunst? Oder wird sie auf diese Weise bloß vor der Welt versteckt und zum Erstarren in beleuchteten Vitrinen verdammt? Soll Mode nicht getragen werden, von Menschen und in die Welt hinein? Soll der Rock nicht im Wind flattern und sich die Seide am Körper anschmiegen? Was bleibt von der Mode, wenn man sie des Tragegefühls beraubt?