I. Richard Serra: Terminal (1977)

Terminal ist das älteste Stahlkunstwerk in unserer Reihe. Bereits 1977 konnte sich das Kunstpublikum mit ihm auf der Documenta VI vertraut machen. Draußen vor dem Fridericianum, dem zentralen Ausstellungsgebäude, hatte man vier Stahlplatten wie ein Kartenhaus gegeneinandergelehnt, sodass sie oben ein Quadrat bildeten, durch das man von innen hinaus in den Himmel schauen konnte. 1979 wurden die Platten dann einzeln nach Bochum transportiert und in der Nähe des Hauptbahnhofes draußen und öffentlich zugänglich wieder genauso aufgestellt wie zuvor in Kassel. Und auch nach zig Jahren stehen sie immer noch da, aufrecht dem Himmel entgegengestreckt, denn der Stahl kann es aushalten. Anders als meine Grundschullehrerin es uns damals vermittelte, vergeht dieser Stahl nicht, sondern rostet bloß an der Oberfläche und bildet damit eine Schutzschicht für das Material darunter. Insofern erinnert mich diese Skulptur heutzutage weniger an die Vergänglichkeit des Menschen als an einen uralten Baum, denn auf ähnliche Weise schützt er sich in der äußersten Schicht seiner Rinde mit Borke. Mehr als drei Jahrzehnte später wurde Terminal 2013 auf Initiative der RuhrKunstMuseen im Rahmen des Projekts NEUENTHÜLLUNGEN gereinigt und saniert und – auf Vorschlag des Künstlers – erstmalig in den von ihm beabsichtigen Originalzustand versetzt. Bis dato wiesen die Stahlplatten noch Spuren ihres Herstellungsprozesses auf, für deren Beseitigung damals in Kassel keine Zeit gewesen war.

[ Mehr über Terminal erfahren – RuhrKunstMuseen ]

[ Terminal von allen Seiten betrachten – NRW Skulptur ]

[ CA Journal November/Dezember 2011 – Sommer im Herbst: Serra@Bochum ]

This entry was published on April 30, 2024 at 4:25 pm. It’s filed under Erinnern, Was ich sehe and tagged . Bookmark the permalink. Follow any comments here with the RSS feed for this post.

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