A hui hou!

[ Februar 2013 – The Aloha State ]

Jeden Morgen hat das Hotel eine kleine Abschiedszeremonie organisiert, nun sind wir dran. Eine Angestellte singt ein Lied für uns und wir verfolgen den hawaiischen Text auf der Einladungskarte:

‘O’oe ku’u lei, ho’ohenoheno
Auf Dich, mein verehrtes Lei

Lei poina ‘ole nui he mana’o, iā ‘oe
Lei, wirst niemals vergessen, bist immer in meinen Gedanken

E ku’u lei aloha, lei makamae
Heißgeliebtes Lei, kostbares Lei

Lei onaona, e hi’ipoi nei
Süßes und zartes Lei, das ich verehre

E kui a lei, ho’ohenoheno
Ich fädele dieses verehrte Lei auf

Me ke aloha, pau ‘ole
Mit ewiger Liebe

He inoa, no lei ho’oheno
Zu Deinen Ehren, mein heißgeliebtes Lei

Dann zeigt sie uns, wie man sich gegenseitig ein Lei schenkt. Man fasst es mit beiden Händen und hebt es dann seinem Gegenüber über den Kopf, bis es locker um den Hals hängt. Dieses Lei ist kein leichter Blütenkranz, sondern aus dicken braunen Kukui-Nüssen. Bei jeder Wiederkehr ersetzt das Hotel eine dunkle mit einer hellen Nuss. So ähnlich macht es das auch bei seinen Angestellten, mit jedem Dienstjahr wird das Lei heller. So wie es aussieht, sind viele schon seit einer ganzen Weile für dieses Hotel tätig. Am Ende verabschieden wir uns ganz Hawaiisch: A hui hou! (Auf Wiedersehen).

Auf dem Weg zum Flughafen kommen wir am Golfplatz vorbei und halten ein letztes Mal Ausschau nach den schlanken weißen Kranichen Hawai’is. Wie zierlich und elegant sie auf dem üppig grünen Rasen herumstehen. Dann durchqueren wir Lahaina. Die Umbauarbeiten bei Aloha Mixed Plate sind immer noch nicht abgeschlossen, bei Local Food warten schon die ersten Mittagsgäste. Links kann man jetzt den Schornstein der ehemaligen Zuckerfabrik sehen. Wir fahren eine ganze Weile am Meer entlang. An den meisten Stellen ist der Strand nur ein schmaler Streifen. Am Rastplatz wird wie immer „Huli Huli Chicken“ angeboten, nächstes Mal müssen wir es unbedingt probieren. Da ist der Surferparkplatz. Und dann nichts als karge Steinlandschaft. Man muss schon das Autofenster herunterlassen, um an das tropisch feucht-warme Klima erinnert zu werden. Im Radio spielen sie eines dieser hawaiischen Lieder, die typisch langsam vor sich hinplätschern. Vom Text verstehen wir kein Wort, doch immerhin erkennen wir, dass es sich um Hawaiisch handelt. Die Sprache mit diesen herrlichen Silbenverdoppelungen und einer Unmenge an „’okina“ (Glottisschlägen). Hawai’i mit zwei i. Offiziell hat dieser US-Bundesstaat zwei Amtssprachen, aber Hawaiisch hat es auf Hawai’i nicht leicht gehabt, muss jetzt vorm Aussterben bewahrt werden. Immer noch karge Steinlandschaft. Hawai’i ist auf Vulkan gebaut. Irgendwo im Landesinneren ist der Haleakalā, ein ruhender Vulkan, und mit über 3000 km Hawai’is zweithöchster Berg. Er nimmt 2/3 der Insel Maui ein. Sein Krater hat einen Durchmesser von 34 km und zählt damit zu einem der weltweit größten überhaupt. Nachts ist es dort oben so ungewöhnlich klar und dunkel, dass man so viele Sterne sehen kann wie kaum anderswo. Tagsüber erinnert er an eine tiefgraue Mondlandschaft. Er wird auch „Haus der aufgehenden Sonne“ genannt. Es gibt eine Sage, wonach dort oben im Krater die Großmutter des Halbgottes Maui wohnte. Sie half ihm, die Sonne einzufangen, um ihre Reise durch den Himmel aufzuhalten und damit den Tag zu verlängern. So eine Großmutter müsste man haben.

[ Haleakalā – Nationalpark, Maui ]
[ Haleakalā – The Sacred House of the Sun ]
[ A Pocket Guide to the Hawaiian Language ]

This entry was published on February 2, 2013 at 10:00 pm. It’s filed under Was ich höre, Was ich sehe and tagged , , , , , . Bookmark the permalink. Follow any comments here with the RSS feed for this post.

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