[ Februar 2013 – The Aloha State ]
Am letzten Abend wollen wir endlich den Getränkegutschein einlösen, den wir beim Willkommensfrühstück gewonnen haben. Wir setzen uns zum Halbgott Maui in die hoteleigene Tikibar und bestellen zwei Cocktails. Draußen ist die Temperatur endlich angenehm und man kommt nicht mehr vom bloßen Herumsitzen ins Schwitzen. Als unsere Gläser erst höchstens halbleer sind, kommt die Kellnerin wieder vorbei und teilt uns mit, dass die Bar jetzt schließe. Sie bietet uns an, unsere Cocktails im Tresenbereich auszutrinken, während das Personal seine Sachen zusammenräumt. Auf keinen Fall aber dürften wir weiterhin mit den Cocktails am Tisch sitzen. Es ist doch erst 10 Uhr, werfen wir ein. Sie erklärt uns, dass die Gäste hier früh aufstünden und deshalb alles früher schließe. Es wird schnell klar, dass sie nicht mit sich verhandeln lässt. Wir stehen auf und setzen uns an einen Hochtisch, der nah genug am Tresen steht. Kurze Zeit später kommt sie wieder und bringt uns eine Tüte Chips. Es tut ihr sichtlich leid, dass sie unseren romantischen Abend stören musste. Warum stehen die Gäste hier früh auf, so früh, dass man die Bars schon um 10 Uhr abends schließen muss, fragen wir uns und erinnern uns dann, wie uns am ersten Morgen schon um 6 Uhr unerwartet viele joggende Urlaubsgäste auf dem Strandweg entgegengekommen waren. Hatten wir nicht gescherzt, manche lebten auf Hawai’i wohl nach kalifornischer Zeit? Naja, reden wir uns selbst gut zu, immerhin verbringen sie Zeit auf Hawai’i im Gegensatz zu den Reisenden auf einem Kreuzschiff, die die Insel überwiegend aus der Ferne sehen, wenn sie oben an der Reling stehen.
Wir hatten das Passagierschiff am Vormittag vom Strand aus erspäht. Es lag mitten im Meer und sah aus der Entfernung ziemlich klein aus. Für eine Weile hatten wir uns ernsthaft Gedanken darüber gemacht, wie es sich auf einer Kreuzfahrt aushalten ließe. Tontaubenschießen, oder macht man das nur in Filmen? Im Pool baden? Das darf man wohl nur, wenn das Schiff nicht fährt. Was für eine absurde Idee. Wer will denn im Pool baden, wenn das Schiff im Hafen liegt und man an Land gehen könnte? Und was ist daran gefährlich, während der Fahrt im Pool zu baden? Was soll man denn sonst machen? Aufs Meer gucken, stundenlang nichts als Wasser. Und wenn das Schiff dem Ufer zu nahe kommt, läuft es auf ein Riff, war da nicht mal was in Italien? Die Vorstellung, seinen Urlaub auf einem Kreuzschiff zu verbringen, ließ ein Gefühl von Enge und Eingesperrtsein aufkommen. Schnell hatten wir wieder unsere Schnorchelmasken aufgesetzt und nach bunten Fischen Ausschau gehalten. Mittags sahen wir das Schiff während eines Bummels durch Lahaina wieder. Es lag immer noch an derselben Stelle mitten im Meer. Ist es zu groß für die Häfen von Maui? Bringen sie die Reisenden mit kleinen Schiffen an Land? Von einem Café aus beobachteten wir die vielen kleinen Schiffe in der Nähe des Ufers, um zu sehen, ob sie etwa bis zum Kreuzschiff führen. Später gingen wir zu einer Filiale von Hilo Hattie, einer Ladenkette, die nach einer hawaiischen Sängerin und Hula-Tänzerin benannt ist und sich auf hawaiische und hawaiisch-inspirierte Kleidung und Kunstgewerbe spezialisiert hat. Hawaiihemden für Kinder und Erwachsene, Sarongs, Blumenketten, Ansteckblumen. Vielleicht würden wir hier endlich eine rote Ansteckblume für den Lū’au-Abend zu finden. Es gab welche, doch wie auch in all den anderen Läden mit hawaiisch-inspirierten Dingen, gab es auch ein Qualitätsproblem. Von 10 Blumen waren 9 entweder verknautscht oder mit Klebstoff verschmiert oder schief zusammengesetzt. Lieblose billige Massenproduktion. An der Kasse wurden wir gefragt, ob wir vom Kreuzschiff seien. Nein, sagten wir ganz erleichtert, wir dürfen an Land bleiben. Draußen wartete ein Bus auf die Schiffsgäste. War das alles, was sie von Maui gesehen hatten, einen Laden mit Plastikansteckblumen und Hawaiihemden, die nicht einmal in Hawai’i hergestellt worden waren? Könnte es so einen Laden denn nicht auf dem Schiff geben? Dann könnte man doch prima bummeln gehen, wenn gerade mal wieder nichts als Meer zu sehen ist. Während des Sonnenuntergangs beim Lū’au war das Kreuzschiff dann endlich langsam aus unserem Gesichtsfeld verschwunden.
Wir nehmen einen letzten Schluck aus dem Cocktailglas und schauen dann noch einmal nach dem Meer. Der Garten ist ziemlich dunkel, entlang des Strandweges und am Black Rock sind Fackeln angezündet. Das Meer rauscht friedlich vor sich hin. Vereinzelt sind Stimmen zu hören, manch Gast lässt den Abend auf einer Strandliege ausklingen. Am nächsten Morgen wachen wir besonders früh auf und machen uns auf die Suche nach einem Abschiedsfrühstück mit Blick aufs Meer. Wie jeden Morgen herrscht auf dem Strandweg emsiges Treiben. Urlauber in Sportkleidung machen sich auf dem Weg zu Starbucks, kommen vom Fitnesscenter oder joggen auf und ab. Hotelangestellte sammeln Palmwedel vom Rasen oder reinigen die Hotelpools. Es gibt mehr Cafés mit Poolblick als Cafés mit Blick aufs Meer. Dafür kriegt man teilweise recht aufwendige Poollandschaften mit Brücken, Grotten und Wasserrutschen zu sehen. An einem Hotel gibt es sogar einen Koi-Teich mit Papageien. Wir finden ein Café mit Aussicht, doch die wird zusehends von Ständen eines Kunstgewerbemarktes verstellt. Haben die Menschen hier schon genug vom Meer? Warum baden sie lieber im Pool? Und werden hier auf den Katamaranen eigentlich jemals die Segel gesetzt oder ist das Fahren unter Motor für die Touristen besser geeignet?
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