[ Februar 2013 – The Aloha State ]
Schon am ersten Vormittag unseres Aufenthaltes sprühen wir uns kräftig mit Sonnenmilch ein und schnappen uns die Schnorchelausrüstung. Unser Ziel ist nur 10 Fußminuten entfernt und liegt am nördlichen Ende der Ka’anapali-Bucht: Black Rock oder auch Pu’u Keka’a. Auf dem Weg kommen wir an einem originalgetreuen Nachbau eines polynesischen Reisekanus vorbei. Auch ein Ergebnis des Versuchs der Wiederbelebung hawaiischer Bräuche, ein Gemeinschaftswerk von Zimmermädchen, Gärtnern, Rezeptionisten, Köchen und anderen Hotelfachleuten. Reisekanus bestehen aus mit Naturseilen verbundenen Holzstücken, und der Rumpf ist aus einem ganzen Stück Baumstamm geschnitzt. Bei Flaute wird gepaddelt und bei Wind gesegelt, Außenrigger an beiden Seiten sorgen für Stabilität. Wie es heißt, verließen sich die Polynesier früher bei der Navigation auf Sterne, Wind und Meeresströmungen, sie kannten weder Kompass noch Sextant. Und schafften es so, unglaubliche Entfernungen zwischen den weit verstreuten Inseln Ozeaniens zu überwinden. Vergleiche zwischen Sprache und Kultur deuten darauf hin, dass die erste Besiedelung Hawai’is von den Marquesas Inseln ausging, was eine Reise von ungefähr 2.000 Seemeilen bedeuten würde.
Black Rock sieht über Wasser völlig unbedeutend aus und hat an diesem leicht wolkenverhangenen Morgen auch noch kaum Besucher angezogen. Es kostet einige Überwindung, sich mit dem ganzen Körper ins Meer zu stürzen, denn selbst in Hawai’i ist das Wasser nicht etwa badewannenwarm, sondern lediglich angenehm temperiert. Unter Wasser sehen wir zunächst nur vereinzelt Fische, erst einen gelb-schwarz gestreiften, dann einen tiefschwarzen. Wenig später kommt ein ganzer Schwarm winziger transparent-blauer Fische an uns vorbeigeschwommen. Dann schauen wir minutenlang einem gelben Fisch beim Gründeln zu. Schnorcheln ist eine äußerst ruhige Angelegenheit. Das einzige, was sich bewegt, sind die Fische. Und weil sie so wunderschön tropisch bunt sind, möchte man sie nicht mit hektischen Arm- oder Fußbewegungen verscheuchen.
Am nächsten Tag kommen wir wieder. Es ist viel voller als am Vortag. Einige Badegäste haben den Einfall, von den Klippen ins Wasser zu springen. Mühsam navigieren wir uns an den Schnorchlern und Springern vorbei, was nicht ganz einfach ist, wenn man eigentlich die ganze Zeit nach unten zu den Fischen schaut. Die Sicht ist weniger klar, überall ist der Boden aufgewühlt. Mit Flossen an den Füßen kommen wir aber recht schnell vorwärts und sind schon bald ziemlich weit draußen. In einer Entfernung zum Ufer, die wir uns mit bloßem Schwimmen kaum zugetraut hätten. Hier kann man deutlich erkennen, dass es sich bei Black Rock um ein kleines Korallenriff handelt. Und weil eine Gruppe Schnorchler ihre Beobachtungsbeute mit Futter anlockt, sind wir plötzlich umgeben von einer Menge dieser leuchtend bunten Fische. Mittendrin entdecken wir ein Exemplar des besonders schön-kollorierten Fisches, der im Gang neben unserem Hotelzimmer auf einem Plakat abgebildet ist. „Humuhumu Nukunuku Apua’a“ oder auch “der Fisch, der wie ein Schwein grunzt” (wenn man ihn fängt). Oder wie es so schön heißt: Der Fisch mit dem Namen, der länger ist, als der Fisch selbst. Sogar eine Meeresschildkröte wagt sich unerwartet nah ans Ufer, so nah, dass sie die am Wellensaum spielenden Kinder erschreckt. Unberührt vom Kreischen der Kleinen, lässt sie sich von den Wellen weitertragen. Wir beobachten sie eine Weile vom Wasser und später vom Strand aus. Nur ihre Flossen lassen erahnen, dass sie sich noch in der Nähe aufhält. Immer wieder bildet sich ein Kreis neugieriger Schwimmer um sie herum. Wie alt sie wohl sein mag? Wie viel sie von der aufgeregten Atmosphäre über Wasser wohl mitbekommt?

Jeden Tag werden wir etwas unvorsichtiger mit der Sonne, bis wir uns am vorletzten Morgen doch noch einen Sonnenbrand einfangen: „Lā hainā“ (unerbittliche Sonne). Sie ist auch Namenspatronin für die Nachbarstadt, die früher, als sie noch Königsresidenz war, Lele hieß. Und dort am Strand, wo damals die Könige von Hawai’i zu ihren Festgelagen einluden, finden wir uns am Abend pünktlich bei Sonnenuntergang zu einem „Lū’au“ [*] ein. Das „Feast at Lele“ verspricht eine kulinarisch-kulturelle Reise durch Polynesien, bei der wir mit jedem der vier Gänge eine andere Inselgruppe kennenlernen. Den ersten Gang verbringen wir noch in Hawai’i, dann geht es vom nördlichsten Teil Polynesiens 4.000 Seemeilen weit ganz in den Südenwesten nach Aotearoa (Lange weiße Wolke), auch Neuseeland genannt. Nach weiteren über 2.000 Seemeilen Richtung Nordosten landen wir in Otaheite (Tahiti), zum Schluss kommen wir nach Samoa, der Wiege Polynesiens, fast 1.500 Seemeilen westlich von Tahiti. Wie einfach, wenn man die Reise durch das sogenannte polynesische Dreieck nur in Gedanken unternimmt und nicht in einem der polynesischen Reisekanus. Zu Livemusik aus Trommeln, Ukulele und Gesang sehen wir uns traditionelle (kahiko) und moderne (‘auana) Varianten des hawaiischen „hula“ (Tanz) an, und lassen uns dann vom „haka“, dem Kriegstanz der Maori (und ihrer Gesichtstattoos), einschüchtern, der mit den sehr sinnlichen Hüft- und Knietänzen der Tahitianer stark kontrastiert. Beim samoanischen „fa’ataupati“ interpretieren die Darsteller tänzerisch die Bewegungen beim Erschlagen der Mücken, von denen sie gerade gestochen wurden. Immer wieder bringen die in Sarongs gekleideten Kellner neue Gerichte an unseren Tisch: Krabben in Maracujasoße, Jakobsmuscheln in Hummercreme, gebratener Fisch mit Mango, roher Fisch in Limetten-Marinade, Schwein nach Kālua-Art, gedünstetes Hühnchen in Kokosnussmilch, Steak mit Ingwer und Guave, Ente mit „poha“ (Kapstachelbeere) , Brotfrucht mit Taroblatt, dazu auf Wunsch tropische Cocktails, Wein oder Bier. Als wir mit dem Genießen kaum noch mitkommen, servieren sie einen üppigen Dessert-Teller mit “Haupia” (Kokosnusspudding), Macadamianusstorte, Schokoladentrüffeln und Früchten. Trotzdem steigen Spannung und Konzentration noch einmal an, denn beim Abschluss, dem berühmten Feuermesser-Tanz aus Samoa, darf man sich keine Achtlosigkeit erlauben. Die Messer, die dort herumgeschleudert werden, sind wirklich in Feuer gehüllt.
*Lū’au: Hawaiian feast, named for the taro tops always served at one; this is not an ancient name, but goes back at least to 1856, when so used by the Pacific Commercial Advertiser; formerly a feast was pāʻina or ʻahaʻaina, siehe auch: Hawaiian Dictionaries
[ Feast at Lele ]
[ Sarongs Plus ]
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