Aloha

[ Februar 2013 – The Aloha State ]


In Kalifornien gibt es eine Tradition, freitags auf Arbeit ein Hawaiihemd zu tragen, um sich damit schon ein wenig aufs Wochenende einzustimmen. Der gemeine Softwareentwickler tauscht also T-Shirt und Shorts gegen Hawaiihemd und Shorts ein, der Übergang ist fließend, im Wesentlichen wird alles etwas farbenfroher. Auf dem Flug nach Hawai’i tragen die Flugbegleiter schon am Donnerstag ein Hawaiihemd und im Land des Hawaiihemds ist jeden Tag Hawaiihemdstimmung. Hawaiihemden überall. Die Menschen begrüßen sich mit „Aloha!“ und statt „Thank you“ sagen sie mit ein bisschen Stolz in der Stimme „Mahalo“. Der Urlaub kann losgehen.

Am ersten Morgen sind wir noch vor Sonnenaufgang wach, denn in Hawaii ist es 3 Stunden früher als in Kalifornien. Vom Balkon aus gucken wir in Richtung Meer und werden überrascht, wie viele Urlauber schon auf den Beinen sind. Die meisten joggen, manche tragen Kaffeebecher herum. Bis zum Willkommensfrühstück im Hotel haben wir noch genug Zeit, um uns zu den Frühaufstehern dazuzugesellen. Der Weg zum Strand führt durch den Hotelgarten vorbei an Liegewiesen und Palmen. Mitten auf dem grünen Rasen liegen weiße Plumeria-Blüten. Wir könnten sie sammeln, um ein „Lei” [*] zu basteln. Stattdessen folgen wir dem Zwitschern der Vögel und finden sie zuhauf im riesigen Brotbaum. An anderer Stelle entdecken wir die ausgetrockneten sternförmigen Früchte eines Gewächs, das “Autogrammbaum” genannt wird, weil man in seine Blätter Texte hineinritzen kann. Auch Hibiskus, die Nationalblüte Hawai’is, wächst hier im Garten. Der Strandweg schlängelt sich die ganze Bucht von Ka’anapali entlang, auf der einen Seite die Hotels, auf der anderen Seite das Meer. Ein Katamaran ist zum Anlegen auf den Strand gefahren und wird auf einen Touristenausflug vorbereitet. Wahrscheinlich geht es zum Schnorcheln nach Molokini. Früher diente diese halbkreisförmige Insel dem US-Militär als Ziel für Schießübungen, weil sie aus der Ferne ein bisschen wie ein Kriegsschiff aussieht; heutzutage kommen jeden Tag unzählige Urlauber in die Bucht vor diesem Vulkankrater, um den Anblick tropischer Unterwasserwelt zu genießen. Langsam wird es eng auf dem Strandweg, überall sind Frühsportler unterwegs, die die Sonne genießen, bevor sie heiß vom Himmel sticht. Am vollsten ist es beim Open-air-Starbucks fast am Ende der Bucht. Wir sichten sogar Gäste mit Laptop und sind für einen Moment unsicher, ob wir da sind, wo wir hinwollten. Auf dem Rückweg entdecken wir im Hotelgarten eine riesengroßen Holzstatue. Das ist „Maui tikitiki“ (Maui, der Wundertäter), ein Halbgott, eine Art polynesischer Superman, dem die Insel Maui ihren Namen verdankt. Nun aber „wikiwiki“ (schnellschnell), wir wollen doch unser Willkommensfrühstück nicht verpassen.

Zusammen mit anderen Hotelgästen versammeln wir uns in der hinteren Ecke der Lobby. Das Personal verteilt Zettel mit Veranstaltungshinweisen: Hubschraubertour über Vulkane, Zaubershow im Nachbarort, Delphinegucken im Ozean. Um kurz nach acht öffnet sich die Tür. Wir zeigen unsere Gutscheine vor und gehen einen dunklen Gang zu einem großen fensterlosen und leicht unterkühlten Saal. Ein Kellner geleitet uns an einen der Tische mit Blick auf die Bühne. Frühstück holen wir uns vom Büffet: Rührei mit Bratkartoffeln, dazu gebratene portugiesische Wurst. Es gibt jede Menge frisches Obst und auch Cornflakes mit Milch. Ein Hawaiianer im Sarong eröffnet die Veranstaltung mit Muschelblasen. Ein sehr angenehmer Ton, ein bisschen wie ein Nebelhorn. Der Moderator im Hawaiihemd begrüßt uns auf Hawaiisch und erklärt dann auf Englisch, dass sich das Ka’anapali Beach Hotel der Wiederbelebung hawaiischer Gebräuche verschrieben habe, dafür sogar schon vom Bundesstaat Hawai’i ausgezeichnet worden sei. Es würden Sprachkurse für das Personal angeboten und Kurse, in denen sie Traditionen wie das Blumenkranzflechten und Hula-Tanzen erlernen könnten. Und man freue sich, diese Kenntnisse an die Hotelgäste weiterzugeben. Dann bittet er einige Vertreter des Personals auf die Bühne und sie singen und tanzen für uns. Auch wenn ihre Kostüme hawaiisch inspiriert sind, sehen die Tänzer selbst ungefähr so multikulti aus wie es für das moderne Hawai’i typisch ist. Nur etwa 10% der Bevölkerung sind hawaiischer oder anderweitig polynesischer Herkunft. 40% haben asiatische Wurzeln (Philippinen, Japan, China, Korea, Vietnam), 25% kaukasische (Deutschland, Irland, Portugal, England, Italien) und 9% hispanische Wurzeln (Mexiko, Puerto Rico); 2% sind schwarz sowie 14% aus gemischter Herkunft. Die portugiesische Wurst ist im 19. Jahrhundert von Immigrantenfamilien einführt worden, ähnlich wie das “pão doce” (süßes Brot), die “malasadas” (donuts) und die Vorläufer des für hawaiische Musik so typischen gitarrenähnlichen Instruments „’ukulele“, was so viel heißt wie „das Geschenk (‘uku), das hier hingekommen ist (lele)“.


*Lei: garland, wreath; necklace of flowers, leaves, shells, ivory, feathers, or paper, given as a symbol of affection; beads; any ornament worn around the head or about the neck; to wear a lei; special song presenting a lei; crown; ring around a drake’s neck; yoke, as for joining draft animals, especially oxen. Fig., a beloved child, wife, husband, sweetheart, younger sibling or child, so called because a beloved child was carried on the shoulders, with its legs draped down on both sides of the bearer like a lei, siehe auch: Hawaiian Dictionaries

[ Ka’anapali Beach Hotel ]
[ Hawai’i History ]
[ ‘ulalena – The Story of Hawai’i’s People ]

This entry was published on February 2, 2013 at 9:07 pm. It’s filed under Was ich esse, Was ich höre, Was ich sehe and tagged , , , , , , , . Bookmark the permalink. Follow any comments here with the RSS feed for this post.

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